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Blog · · KI im Unternehmen
Ist der Fuchs im Hühnerstall?
So fühlt sich KI gerade in vielen Organisationen an. Aufregung, Flattern, viele Meinungen, und wo das „Tier“ eigentlich steckt, weiß keiner genau.
Auf LinkedIn ist plötzlich jeder Experte für KI. Stellenanzeigen verlangen zehn Jahre Erfahrung, die meisten von uns können ehrlich ein bis drei nachweisen, und die wirklichen Fachleute haben lange im Verborgenen an dem gebaut, was wir heute alle nutzen.
Beim genaueren Hinsehen finde ich in Organisationen meist eines von drei Bildern.
Die Stalltür steht offen, und niemand schaut hin. Im Team läuft längst ein Wildwuchs an Tools, mit Firmendaten, über private Accounts. Das nennen wir Schatten-KI.
Oder der Zaun fehlt. Keine Richtlinien. Oder er steht, die Richtlinie liegt im Intranet, gearbeitet wird daran vorbei.
Oder der Stall ist so verrammelt, dass keine Henne mehr ein Ei legt. Auf dem Papier ist alles geregelt, nichts bewegt sich, keiner traut sich mehr irgendwas oder nichts ist mehr erlaubt.
Das sind für mich drei Antworten auf dieselbe Unsicherheit. Niemand weiß gerade, was mit KI „richtig/erlaubt“ ist. Welche davon in einer Organisation entsteht, hängt daran, wer sich zuständig fühlt.
Dahinter sehe ich, dass wir in vielem noch ganz am Anfang stehen. Hochgepriesene Digitalisierung, Digitalisierung 2.0, 3.0 oder auch bisweilen 4.0. Nun die KI, und die Basis ist die gleiche. Die Daten sind nicht sauber, in den Prozessen legen noch Menschen Hand an. Doch eigentlich, und dahin bewegen wir uns, wenn auch langsam, dürfen Automatisierung und KI Menschen in Prozessen ablösen, ohne den Menschen zu ersetzen. Sie verschaffen uns Freiraum für die Dinge, die wir wirklich gut können. Mensch Sein.
Ich habe mir für mich Gedanken gemacht, woran es hakt und wie ich Klarheit herstelle, und herausgekommen ist mein digital integriert Modell. Es sortiert dieses Durcheinander über drei Fragen. Wer handelt bei Euch, womit, und in welchem Rahmen?
Für diesen Beitrag zählt die dritte Frage. Hinter ihr steht der Verantwortungsraum, und an dem hängen alle drei Bilder von oben. Er ist auch der Teil, den ich am häufigsten erklären muss. In ihm liegen die Anforderungen, die bei Euch gelten. Manche kommen von außen, etwa der EU AI Act oder der Datenschutz, andere gebt Ihr Euch selbst über Eure Strukturen und Prozesse. In ihm wird auch beantwortet, wer bei KI entscheiden darf und wer davon wissen muss. Wenn Ihr diesen Raum nicht beschreibt, habt Ihr ihn trotzdem, nur unausgesprochen und in jeder Abteilung anders.
Und der „Fuchs“? Wer überall Füchse sieht, verrammelt den Stall. Wer keine sieht, lässt die Tür offen.
Die Aufregung um den EU AI Act erinnert mich an die Einführung der DSGVO damals. Dabei soll er uns einen klaren Handlungsrahmen geben und Menschen schützen vor unsachgemäßer Datenspeicherung und Profilbildung, DeepFakes und Co. Die IT-Sicherheit hängt als Damoklesschwert über allem, KI beschleunigt das noch, und die häufigste Antwort bleibt die Vogel-Strauß-Taktik. Wer soll mir schon etwas tun? Ich habe doch nichts zu verbergen! Wird schon alles gut gehen.
Ich halte es lieber mit einem liebevollen Hinschauen und der Befähigung. Wo wollen wir hin, was müssen wir dafür tun und was gilt es dabei zu beachten? Meist ist es kein Hexenwerk. Es braucht ein bisschen (manchmal auch etwas mehr) Verständnis, dann Planung, Umsetzung und Verantwortungsübernahme. Uns reißt keiner den Kopf ab, wenn wir gewissenhaft vorgehen, sondern eher, wenn wir nichts tun und unsere Sorgfaltspflicht damit verletzen. Geistige Ruhe bewahren bei all dem Lärm (z.B. um KI) ist eine zusätzliche Kunst, auf die wir uns alle rückbesinnen dürfen. Ein tiefer Atemzug bewirkt oftmals Wunder. Und die Frage, um was geht’s denn eigentlich.
Welches der drei Bilder bei Euch hängt, lässt sich ohne Projekt herausfinden. Achtet in den nächsten beiden Wochen darauf, wer beiläufig erzählt, dass er etwas „mal eben mit KI“ gemacht hat, und über welches Konto (privat/beruflich) das lief. Und wenn es bei Euch eine Richtlinie gibt, fragt einmal nach, wann zuletzt jemand von außerhalb der IT auf sie zugekommen ist. Was Ihr darauf hört, ist ein ehrlicher Ausgangspunkt.
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die befähigt und kompetent (nicht nur) mit KI umgeht. Und dass wir gemeinsam produktiv werden, uns gegenseitig befähigen, die aufkommenden Chancen nutzen, die Risiken kennen und abwägen. Aber losgehen. Kein Bloßstellen, ein Miteinander und ein gemeinsames Hinschauen. Es ist eine gesellschaftliche Herausforderung, und wir dürfen gemeinsam prüfen, wie wir die nächsten Jahre gestalten wollen.
Daran arbeite ich, Menschen vom Kennen ins Können zu bringen.
Freu mich auf das gemeinsame Gestalten mit Euch.
Lieber digital integriert als digital isoliert.
KI-Transparenz nach Art. 50 EU AI Act: Dieser Beitrag entstand mit KI-Unterstützung. Auswahl, Prüfung und Verantwortung: Jörg Schüler.