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Blog · · digitale Souveränität Modell

Warum ich ein eigenes Modell gebaut habe

Warum ich für digitale Souveränität jetzt ein Modell aus drei Bestandteilen gebaut habe, und was ein unaufgeräumter Desktop damit zu tun hat.

Comic-Zeichnung: Ein Mädchen mit Zöpfen und Lesebrille auf der Nasenspitze steht auf einem Bücherregal und zeigt mit einem Zeigestock auf eine Tafel. Darauf eine Kurve, die an Dampflok, Glühbirne und Computer entlang flach verläuft und dann steil zu den Buchstaben KI ansteigt, mit einem roten Punkt im steilen Teil. Daneben schwebt ein kleines rundes Kugel-Wesen mit Gesicht.

Ich habe die letzten 15 Jahre Menschen befähigt, digitale Kommunikation bewusst und kompetent zu nutzen. Erst mit der SicherDeinWeb GbR, dann mit den Digitalen Helden, die bis heute über 2.500 Schulen deutschlandweit in der Medienbildung erreicht haben. Es ging immer um denselben Zweck, Menschen an die Technologien ihrer Zeit heranzuführen, mit den Chancen und mit den Risiken. Digitale Inklusion, digitale Integration, digitale Teilhabe. Menschen stärken und bevollmächtigen, das ist bis heute mein Antrieb.

In diesen Jahren habe ich viel gesehen, wo es in unserer Gesellschaft an Digitalkompetenzen mangelt. Das fängt bei der Dateibenennung an, bei der Dateiablage, und ein Ende der Kompetenzen ist noch lange nicht in Sicht. Wie sieht es auf Deinem Desktop aus? Bei vielen, wie Kraut und Rüben. In Verzeichnislaufwerken oft nicht viel besser, wenn nicht ein ITler regelmäßig Wildwuchs und Dubletten entfernt. Das sind Basisfähigkeiten, die selten wirklich erlernt wurden, und das ist keine Anekdote, sondern messbar. Der D21-Digital-Index, die jährliche Studie zur Digital-Gesellschaft, kommt für Deutschland auf 49 Prozent der Bevölkerung mit digitalen Basiskompetenzen (D21-Digital-Index 2024/25). Die Mehrheit hat sie nicht. Und die EU will bis 2030 bei 80 Prozent sein.

Und es geht weiter. IT-Systeme, die unsicher im Netz stehen, sind echte Herausforderungen für den Schutz personenbezogener Daten. Wie es um das Bewusstsein dafür steht, misst der Cybersicherheitsmonitor, eine bundesweite Befragung von BSI und Polizeilicher Kriminalprävention. Nur 14 Prozent informieren sich regelmäßig über Cybersicherheit, 40 Prozent hin und wieder, 19 Prozent erst, wenn etwas passiert ist, und jeder Vierte nie (Cybersicherheitsmonitor 2026). Dabei war allein im Vorjahr mehr als jede zehnte Person von einer Straftat im Internet betroffen.

Seit knapp drei Jahren erleben wir nun eine so rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz, dass sie die beiden vorigen Probleme exponenziert. Wer seine Ablage nicht im Griff hat, füttert die KI mit Durcheinander und gibt ihr nebenbei Zugänge, die niemand überblickt, vom eigenen Postfach bis zur Kundenablage. Und mit alldem wächst eine maximale Überforderung in der Gesellschaft. Für mich ist das der Fuchs im Hühnerstall. Alle rennen wild durcheinander und gackern, aber wo wollen wir eigentlich hin? Wirkliche Zielüberlegung findet dabei kaum statt.

Weil mich das umtreibt, habe ich mich hingesetzt und für mich überlegt. Es gibt viele Frameworks und Modelle, die super Arbeit leisten. Teilweise sind sie aber so f***ing komplex, dass sie keiner versteht und sie im Alltag nicht nutzbar sind. Mir ging es um eine einfachere Frage. Was sind die drei wesentlichen Bestandteile, auf die wir schauen müssen, ob in der persönlichen Kompetenz oder in der organisationsweiten?

Entschieden habe ich mich für drei Bestandteile. Der Mensch, mit seinen unterschiedlichen Facetten von Kennen, Können und der Kommunikation, mit sich selbst und mit anderen. Die Maschine, also die Technologie, wie sie aufgebaut ist, ihre Infrastruktur, ihre Sicherheit und ihre Datenlage, wie Daten strukturiert, geschützt und klassifiziert sind. Und der Kontext, in dem das Ganze betrachtet wird, ob das die Familie ist, der Rechner im Betrieb, der aus gutem Grund keine Verbindung nach draußen hat (ein Air-Gap-System), oder das Unternehmensnetzwerk. Das nenne ich die Verantwortung, den Verantwortungsraum.

In alle drei Bereiche können wir reinzoomen, so tief es die Situation braucht. Wenn wir rauszoomen, sehen wir diese drei, Mensch, Maschine und Verantwortungsraum. Die Kraut-und-Rüben-Ablage vom Anfang, die ungesichert im Netz stehenden Systeme, die Familie wie das Firmennetz, alles von oben hat in einem von ihnen seinen Platz. Und wenn sie optimal zusammenspielen, entsteht für mich gelebte digitale Souveränität. Wie die drei zusammenhängen, zeige ich auf der Modellseite, und was in jedem einzelnen steckt, erzähle ich in dieser Serie nach und nach. Den Verantwortungsraum und die Bewegung zwischen Mensch und Maschine findest Du schon hier im Blog.

Bleibt die Frage, wie viel Zeit wir dafür haben. Im Juli haben über 200 Ökonomen und KI-Forscher, darunter 16 Nobelpreisträger, zum Handeln aufgerufen (We must act now). Die wirtschaftliche Umwälzung durch KI, schreiben sie, könnte größer ausfallen als die Industrielle Revolution, nur in einem Bruchteil der Zeit. Der Ökonom Anton Korinek bringt es auf den Punkt. Dampf, Elektrizität und Computer ließen Gesellschaften Jahrzehnte zur Anpassung, KI gibt uns vielleicht nur wenige Jahre. Für mich reden wir über die kommenden Monate. Ich bin geneigt, Jahre zu sagen, aber die Zeit haben wir nicht. Ohne Panik und Angst, aber fokussiert, müssen wir als Gesellschaft jetzt unglaublich viel Gas geben, um uns dieses Wissen anzueignen. Diese Zukunftskompetenzen und konkreten Fähigkeiten braucht jede und jeder, mehr denn je. Und mit Zukunft meine ich eine sehr nahe Zukunft, im Idealfall morgen. 😉

Der Anfang ist dabei kleiner, als Mensch, Maschine und Verantwortungsraum zusammen klingen. Schau morgen einmal bewusst hin, an welcher der drei es bei Dir hakt, ob beim ersten morgendlichen Blick aufs Handy oder am Arbeitsplatz. Das kann die Datei sein, die Du zum dritten Mal suchst, der Zugang, den keiner mehr überblickt, oder die Frage, wer das eigentlich entscheiden darf. Dort fängst Du an.

Lieber digital integriert als digital isoliert.

KI-Transparenz nach Art. 50 EU AI Act: Dieser Beitrag entstand mit KI-Unterstützung. Auswahl, Prüfung und Verantwortung: Jörg Schüler.

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