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Blog · · komplex nicht kompliziert

Das machst Du Dir zu einfach

Wer ein Thema kompliziert erklärt, hat es entweder selbst noch nicht durchdrungen oder will sich darüber stellen.

Eine Comic-Zeichnung eines Wohnzimmers mit zwei Szenen nebeneinander. Links sitzen ein Kind mit Zöpfen und ein Mann mit Brille auf dem Teppich und entwirren gemeinsam ein Knäuel roter Wolle. Das Kind hält einen bereits gerade laufenden Faden hoch, der Mann löst eine weitere Schlaufe, ein sauber aufgewickeltes Knäuel liegt schon daneben. Beide wirken ruhig und vertieft, der Knoten geht offensichtlich auf. Rechts sitzt ein älterer Mann mit weißem Schnauzbart und Karohemd an einem Tisch am Fenster und betrachtet einen großen Globus, auf dem Wolkenwirbel, Pfeile und ein kleiner Mond an einem Draht zu sehen sind. Er hat die Hand am Kinn und studiert ihn, ohne etwas daran zu lösen.

Mir kam ein Gedanke, als ich meinen letzten Beitrag und mein DigInt-Modell noch einmal angesehen habe. Jemand könnte sagen: „Das ist viel zu einfach.” Oder: „Das machst Du Dir zu einfach.”

Auf einer Ebene hätte diese Person recht. Wir sind dort auf einer sehr hohen Abstraktionsebene, und von oben sieht vieles einfach aus.

Dann kommt oft die Begründung hinterher, das sei doch alles viel komplizierter. Und da muss ich widersprechen.

Kompliziert ist nicht gleich gut.

Komplex ist etwas anderes als kompliziert

Wenn wir in die drei Bereiche des Modells hineinschauen, wird es unglaublich komplex. Nimm nur den Menschen, und daraus nur den Teilbereich Kommunikation. Schon das wird komplex, denn es gibt die internale und die externale Kommunikation. Wie kommuniziere ich mit mir selbst, und wie kommuniziere ich mit anderen?

Allein der Bereich, wie ich mit mir selbst spreche. Was sind meine Gedanken, was denke ich täglich über mich und über andere? Das hat mit Haltung zu tun. Das hat mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun, mit Persönlichkeitsbildung, mit Mindset, und dazu gibt es unzählige Bücher.

Genauso bei der externen Kommunikation. Wie gehe ich mit anderen Menschen um? Wie kommuniziere ich bedürfnisorientiert (Gewaltfreie Kommunikation)? Wie verhandle ich (Negotiation)? Auch dafür gibt es unzählige Bücher und ganze Studiengänge.

Noch und nöcher. Und das ist komplex.

Aber ich kann in jeden Teilbereich so weit hineinzoomen, dass das, was am Anfang komplex und kompliziert wirkte, nicht mehr kompliziert ist. Komplex bleibt es. Die Kompliziertheit aber kann ich auflösen.

Genau so nähern wir Menschen uns Problemen an. Wir nehmen uns einzelne Teilprobleme heraus und versuchen, diese zu lösen. Und danach gehen wir wieder eine Abstraktionsebene höher und schauen, ob die Lösung dieses Teilproblems überhaupt zieldienlich ist für das, wo wir eigentlich hinwollen.

Maschinen lösen schwere Probleme übrigens genauso, indem sie sie in Teilschritte zerlegen.

Der Weg dahin führt erst einmal nach unten. Sich auf die Tiefen einstellen, reinknien, tieftauchen. Wer das überspringt, bleibt an der Oberfläche und hält sie für die ganze Sache.

Wann etwas für mich kompliziert ist

Kompliziert ist es für mich immer dann, wenn ich ein Thema noch nicht durchdrungen habe.

Und jetzt dreh den Satz einmal um.

Wenn jemand kompliziert über ein Fachthema spricht, dann hat er es oftmals selbst noch nicht durchdrungen. Oder er will sich emporheben, will sich wichtig tun, will sich über jemanden stellen.

Es geht aber auch harmloser. Vielleicht hat er es aus dieser Perspektive noch nie gesehen und nie gelernt, eine unbewusste Inkompetenz. Oder es ist das andere Extrem, eine unbewusste Kompetenz, in der die Person annimmt, das müsse doch jeder so verstehen.

Wenn ich einen Experten vor mir habe, dem es nicht gelingt, sein Fachwissen so einfach und verständlich zu vermitteln, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer ohne dieses Fachwissen es verstehen, dann hat er entweder die Kompetenz nicht, es so zu verpacken (er ist dann ein sogenannter „Fachidiot”), oder es steckt das Ego dahinter und er will sich über andere stellen.

Komplizierte Sachverhalte so einfach und verständlich darzustellen, dass sie jeder auch ohne das Fachwissen versteht, das ist Kompetenz. Zumindest die, komplexes Wissen einfach und verständlich zu vermitteln, und dafür muss ich es selbst verinnerlicht haben.

Und darum geht es. Komplexe Sachverhalte auf der Ebene der Komplexität vermitteln, wie sie für die Person gerade ausreichend ist. Ich fange ja auch nicht mit einem Kind an, das noch keine Buchstaben kennt, und lege ihm zur Interpretation Faust hin.

Das gilt überall, nicht nur bei Technik

Genauso ist es bei technischen Sachverhalten. Bei der KI, bei der Digitalisierung, bei der IT-Sicherheit. Und genauso bei zwischenmenschlicher Kommunikation, bei Organisationsentwicklung, bei allem anderen, was Dir gerade einfällt.

Wir müssen die Thematik verstanden haben. Das kompliziert Wirkende durchdringen, die Komplexität begreifen und das Komplizierte in Teilschritte zerlegen, bis es einfach wird. Dann ist das Problem klar, umrissen, greifbar und lösbar.

In den meisten Fällen. Oder es gibt eben noch keine Lösung. Oder ich muss einen anderen Lösungsansatz versuchen.

Dass es ankommt

Deswegen ist mir immer wichtig, wenn ich einem Experten zuhöre: Kann er sein Fachwissen so einfach wiedergeben, dass es bei mir ankommt?

Das ist der eigentliche Sinn und Zweck von Kommunikation. Dass der Empfänger mit der Botschaft, mit der Nachricht, etwas anfangen kann.

Nimm diese Frage mit ins nächste Gespräch, in dem Dir jemand etwas Komplexes erklärt. Beim Dienstleister, im Meeting, bei der Beratung, bei der eigenen IT. Nicht als Prüfung, sondern für Dich selbst: Verstehe ich, was er sagt, und kann ich danach etwas damit anfangen?

Wenn nein, liegt es nicht zwingend an Dir. Frag nach. Wer sein Thema durchdrungen hat, kann es Dir auch anders erklären, und er tut es gern.

Sonst kann ich auch mit einer Wand sprechen.

Lieber digital integriert als digital isoliert. Haltung führt, Verhalten folgt.

KI-Transparenz nach Art. 50 EU AI Act: Dieser Beitrag entstand mit KI-Unterstützung. Auswahl, Prüfung und Verantwortung: Jörg Schüler.

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